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Seltsame Straßen und Riesen-Spielplätze


2010
08.25

580km liegen vor uns. Die ersten 100 km gehen über die gewohnt gute Autobahn. Dann jedoch folgen wir der Routenempfehlung unserer Reiseleiterin, und haben einen Nebenweg gewählt, da dieser „very scenic“ sein sollte. Dieser Nebenweg führte über eine der berüchtigten Schotterstraßen Namibias, den sog. Gravel Roads.

Ich bin schon einige Schotterstraßen in verschiedenen Ländern gefahren, auch mit dem Motorrad. So etwas habe ich allerdings noch nicht gekannt. Eine fiese Mischung aus… nun ja, Schotter eben und Sand. Der Sand ist mal tiefer, mal weniger tief. An den tiefen Stellen neigt das Auto dazu, wie auf einer Glatteisfläche hin und her zu rutschen. Man verliert sekundenweise die Herrschaft über das Fahrzeug. Nicht sehr angenehm. Nach einer recht langen Passage auf diesem „Belag“, besserte sich die Strecke. Der Untergrund war ganz gut festgefahren, so daß wir etwas schneller fahren konnten, so zwischen 70-80 km/h. Mehr ist nicht drin, zumindest nicht mit einem Auto, wie wir es fahren. Nach einiger Zeit hat man sich auch an die etwas schwammige Fortbewegung gewöhnt und fährt etwas entspannter.

So „scenic“ die Strecke auch sein mag, wir wissen, daß heute über 500 km vor uns liegen und so entschließen wir uns, doch wieder auf die geteerte Hauptstraße zurückzukehren um schneller vorwärts zu kommen. Nach ca. 1 Stunde treffen wir dann auch endlich wieder auf die Hauptstraße und fahren im zügigerem Tempo Richtung Süden.

Tagesziel ist heute nicht nur die nächste Unterkunft. Auf dem Weg dorthin sind Besichtigung eingeplant. Wir möchten den Köcherbaumwald und den Giants‘ Playground besuchen. Irgendwann gegen 15:30 treffen wir dann dort ein. Beide Örtlichkeiten liegen direkt nebeneinander bzw. gehören eigentlich der gleichen Landschaft an. Es ist ein bizarrer Anblick. Überall liegen verstreut Felsansammlungen herum, die tatsächlich aussehen, als hätte ein Riesenkind seine Bauklötze aufeinander gestapelt.

Im Köcherbaumwald haben sich dann auch noch die namensgebenden Bäume auf und zwischen die Felsen gesellt. Die Bäume an sich sind für Europäische Augen schon sehr fremdartig. In Verbindung mit dieser surrealen Felslandschaft wirkt das Ganze wirklich einmalig. Diese Felsenlandschaft erstreckt sich kilometerweit ins Land. Wenn man einen der Felsen erklimmt, hat man einen fantastischen Blick darauf.

Wir wären gerne hier noch ein paar Stunden rumgelaufen,  haben aber leider keine Zeit mehr. Es liegen noch gut 130km vor uns und es ist schon fast 17:00 Uhr. Spätestens um 18:00 Uhr ist Sonnenuntergang und dann wird es sehr schnell stockdunkel. Alle Empfehlungen in Reiseführern und -berichten sagen, dass man im Dunklen nicht fahren soll, da man Schlaglöcher oder Tiere nicht mehr sehen kann. So gebe ich auf der Hauptstraße gut Gas, um schnellstens voran zu kommen um wenigstens bis zum Ende der Dämmerung anzukommen. Leider müssen wir nach ca. 50 km die geteerte Straße verlassen und wieder auf eine Gravel Road abbiegen. Wenn ich heute Vormittag gedacht hatte, die Schotterstraße sei schlecht, dann wurde ich hier eines Besseren belehrt. Die Bezeichnung „Straße“ ist für diese Strecke vollkommen unangemessen. Das hat aber auch gar nichst mit einem befahrbaren Untergrund zu tun. Zunächst ist die Strecke noch einigermaßen in Ordnung. Wir fahren ca. 80 km/h, als der Wagen urplötzlich ins Schwimmen gerät und wir leicht quer über die Fahrbahn rutschen. Ab diesem Moment besteht die Fahrbahn nur noch aus harten Bodenwellen und loser Geröll-Sandmischung, die uns permanent durchschütteln und den Wagen ins Rutschen bringen. Ich kann einige Streckenabschnitte nicht mehr schneller als 30-40 km/h fahren und das, wo noch gut 80 km vor uns liegen. Mittlerweile ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und es wird von Minute zu Minute dunkler. Ganz toll: es ist Nacht, eine Straße quasi nicht vorhanden und wir können oft nur Schleichtempo fahren. Es ist eine sehr entspannende Fahrt. Hinzu kommt, daß der Schalter für das Fernlicht defekt ist. Das Fernlicht funktioniert nur als Lichthupe. Ich muß also permanent den Schalter gedrückt halten. Perfekt!

Irgendwann gegen 19:30 Uhr kommen wir ziemlich geschafft in unserem Hotel, dem Canon Roadhouse an. Die Chefin empfängt uns leicht vorwurfsvoll mit den Worten, dass man schon lange auf uns gewartet hat. Ach was! Und wir hatten so einen Spaß. Offenbar hat Sie uns bei unserer Reiseleitung schon als vermisst gemeldet, denn Sie spurtet schnell los, um Entwarnung zu geben. Nach den Formalitäten essen wir noch ein wenig einheimisches Getier (Springbock-Filet und Oryx-Spieß) und fallen dann ins Bett. Ich freue mich schon auf Morgen, dann geht’s die gleiche Strecke  wieder zurück. Diesmal wenigstens im Hellen.