wildes Land und Dickhäuter

2010
09.01

Trotz der langen Strecke, die vor uns liegt haben wir heute Morgen keine Lust zu hetzen. Wir lassen uns Zeit, frühstücken in Ruhe und fahren gegen 9 Uhr los. Es geht zunächst auf einer ordentlichen Teerstraße an der Küste entlang Richtung Norden. Links das Meer, rechts die Wüstendünen. Das ist schon irgendwie bizarr. Leider ist es nach ca. 100km vorbei mit der geteerten Herrlichkeit und wir müssen wieder auf eine Gravel Road. Die Landschaft auf diesem Abschnitt ist extrem öde. Es ist mal wieder alles komplett flach und geröllig ohne jeden Pflanzenbewuchs. Die Landschaft ist von der Straße eigentlich nicht zu unterscheiden.

Irgendwann überholen wir Kristian und Marie in ihrem Mazda 3, die ebenfalls heute Richtung Norden unterwegs sind. Wir haben zum größten Teil die gleiche Strecke und so begegnen wir uns noch 1-2 Mal.

Die Fahrt ist vollkommen ereignislos und zieht sich wie Kaugummi. Die Landschaften wechseln von öde zu schön wieder zu öde. Irgendwann fahren wir ins Damaraland ein.

Hier wird die Landschaft allerdings wieder sehr aufregend und grandios. Leider ändert das nichts an der Langwierigkeit der Fahrt. Nicht zum ersten Mal beschließen wir, dass wir ein solches Fahrpensum in keinem Urlaub mehr haben möchten. So toll wie es hier ist, das ist doch sehr anstrengend. Aber eigentlich wussten wir das auch vorher…

Je weiter nördlich wir kommen, desto mehr fällt ein Unterschied zum Osten bzw. Süd-Osten auf: dort war alles relativ westlich geprägt. Hier im Damaraland ist die Gegend der ursprünglichen Einwohner Namibias, die Hereros, die Himbas und Ovambos. Man sieht wesentlich mehr Siedlungen rechts und links des Weges, allerdings in sehr ärmlicher Art und Weise.

Lehm- und Wellblechhütten prägen das Dorfbild. Außerdem sind am Straßenrand viele Verkaufsstände aus einfachen Ästen aufgebaut, an denen Quarzsteine, Holzschmuck und andere Sachen den vorbeifahrenden Touristen angeboten werden. Man versucht eben, zu leben. Außerdem ist es hier deutlich wärmer bzw. heißer. Es ist deutlich über 30° und dürfte auch an der 40 kratzen.

Unser Tageshighlight bekommen wir dann doch noch. Ich glaube erst, ich sehe nicht richtig, aber doch: Ca. 250 Meter von der Straße entfernt, in einem trockenen Flussbett, steht eine kleine Herde Elefanten. Richtige wilde Elefanten! Der Wahnsinn. Wir halten mitten auf der einspurigen Brücke, die das Flußbett überquert, an um zu fotografieren.

Die Elefentan werden aufmerksam und stellen warnend die Ohren nach vorne, bleiben aber sonst ruhig und beschließen dann, gemächlich zwischen den Bäumen zu verschwinden. Schade.

Von hier aus verläuft die Fahrt weiterhin ereignislos und zäh wie Kaugummi, bis wir endlich an unserem Ziel, der Palmwag-Lodge ankommen. Hier ist alles ein bißchen hektisch und kompliziert. Die Dame an der Rezeption erklärt uns in einem stark akzentangereicherten und schnellen Englisch, dass wir am nächsten Morgen sehr früh geweckt werden um an einem Game-Drive teilzunehmen. Außerdem müssten wir gegen Nachmittag das Zimmer verlassen und das Gepäck ins Auto packen, da wir am Abend das Sleepout hätten. Zwischendrin könnten wir fragen, ob wir ein anderes Zimmer für „Refreshments“ nutzen können. Moment mal, wir haben hier zwei Nächte gebucht. OK, mit Sleepout, womit eine Übernachtung im Freien gemeint ist, aber deshalb können die uns doch nicht aus unserem Zimmer werfen. Das ist ja eine tolle Begrüßung.

Mit gemischen Gefühlen checken wir in diese insgesamt etwas abgewohnte Lodge ein, essen zu Abend und fallen wie so oft sehr erschöpft früh ins Bett.

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