Geselligkeit und Himbas

2010
09.05

Widerwillig verlassen wir heute die Grootberg Lodge. Was soll nach so einer Location eigentlich noch kommen? How ever, wir müssen eben weiter. Die Tagesetappe ist mit 130km auch heute angenehm kurz. Die Strecke bis zu unserer nächsten Unterkunft, der Gelbingen Guest Farm, verwöhnt uns mal wieder mit wunderschön bizarren Landschaften und einigem Getier.

Uns begegnen mehrere Giraffen und eine Echse in Größe eines Dackels überquert kurz vor uns die Fahrbahn. Leider ist sie viel zu schnell verschwunden, um ein Foto machen zu können.

Gegen 12:00 Uhr kommen wir an der Guest Farm an. Hier ist es alles etwas einfacher, aber wir werden sehr herzlich von Andrea, einer Touristik-Praktikantin, empfangen und zur Chefin, ebenfalls eine Andrea, in den Bar-Essens-Poolbereich geführt. Die Herzlichkeit setzt sicht fort, hier sind schon einige andere Gäste um die Theke versammelt. Es wird viel geredet und gelacht. Hier ist Geselligkeit ein wichtiger Bestandteil des Gastbetriebes, wie wir im Laufe des restlichen Tages noch erleben werden.

Die Chefin Andrea ist ein echtes Original, in mehrfacher Hinsicht. Sie ist gebürtige Namibierin mit deutschen Wurzeln und als Übermama stets um das Wohl ihrer Gäste besorgt. Dabei scheint sie eine Endlos-Zigarette in Händen zu halten. Nach der sehr unformellen Erledigung der Formalitäten können wir uns noch entspannt an den Pool legen.

Für 17:00 Uhr ist ein Besuch des Himba-Dorfes geplant, das sich auf dem Farmgelände in unmittelbarer Nähe des Haupthauses befindet. Der Nomaden-Stamm der Himbas ist vor einigen Jahren an Volker, den Farmbesitzer (und natürlich Ehegatte von Andrea) herangetreten und hat den Vorschlag unterbreitet, ein Dorf auf dem Farmgelände zu errichten, dieses touristisch zu öffnen und an den Einnahmen zu profitieren. Das funktioniert wohl wunderbar und alle Beteiligten sind glücklich damit.

Im Laufe des Pool-Nachmittages lernen wir die anderen 6 Gäste (4 Deutsche + 1 junges Paar aus Österreich) kennen. Es entwickeln sich sehr nette Gespräche und der Nachmittag vergeht mit Lesen und Reden sehr schnell.  Um ca. 17:00 Uhr laufen wir dann die paar Schritte bis zum Himba-Dorf. Es hat sich noch eine 4-köpfige Familie mit 2 Kindern von einer Nachbar-Lodge dazu gesellt. Es begleitet uns Andrea (die Praktikantin) und sie erzählt uns allerlei Wissenswertes über die Himbas und ihre Lebensgewohnheiten. Wir können uns in dem aus einfachen Lehmhütten bestehenden Dorf frei bewegen und fotografieren.

Wir werden erstmal von einer Schar Himba-Kinder begrüßt, die uns mindestens so neugierig beäugen, wie wir sie. Andrea setzt ihre Erklärungen fort und führt uns rund durch das Dorf. Irgendwann überwinde ich meine Hemmungen und beginne zu fotografieren. Interessant ist, dass die Himbas sofort anfangen sehr ernst zu gucken, sobald die Kamera auf sie gerichtet wird. Dies ist jedoch kein Zeichen des Unwillens. Die Himbas möchten auf den Bildern ernst und würdevoll aussehen. Sie sind ein sehr stolzes Volk und möchten die Bilder auch gerne sofort sehen, die man von ihnen geschossen hat. Dann kommt ein sehr schönes Lächeln in ihre Gesichter.

Die Himba-Frauen reiben ihre Haut mit einer Mischung aus Fett und roter Erde ein. Bisher habe ich immer gedacht, dass dies zum Schutz der Haut sei (wenn ich mich recht entsinne, habe ich es so auch schon gelesen). Andrea klärt uns aber auf, dass es sich dabei um reine Schönheitspflege handelt. Auch bei den aufwending geflochtenen und ebenfalls mit Fett und roter Erde eingeriebenen langen Haaren handelt  es sich tatsächlich um eingeflochtene Extensions, früher aus Kuh-Haaren, heute auch aus Kunsthaaren, die es in Shops zu kaufen gibt.

So ist es überhaupt mit den Himbas, sie leben nach wie vor in ihrer traditionellen einfachen Weise, integrieren aber viele moderne Dinge, die sie praktisch verwenden können, in ihren Alltag. So hat fast jeder Himba ein Handy oder es wird eine Tütensuppe in den Kochkessel über dem Feuer gerührt. Ein wirklich ziemlich schräger Anblick. Aber wie gesagt, es werden nur tatsächlich für sie verwendbare Dinge übernommen. Überflüssiger Luxus ist ihnen fremd. So betrachten sie z.B. den kleinen Garten mit Blumen und Kakteen vor dem Farmhaus mit einem Kopfschütteln. Warum Dinge anpflanzen, die man dann nicht isst?

Die halbe Stunde im Dorf vergeht recht schnell und wird auch kurzerhand abgebrochen, da es der Tochter der uns begleitenden Familie nicht gut geht. Sie sitzt die ganze Zeit vornübergebeugt auf einem Autoreifen in der Dorfmitte, umringt von Himba-Kindern, die das wohl sehr seltsam finden. Ihre Mutter nimmt sie dann auf den Arm und trägt sie zum Dorf hinaus. Der Dorfzaun ist kaum durchschritten, als sich das Mächen heftigts (und halb über ihre Mutter) übergibt. Na Mahlzeit. Ist wohl ein Familienvirus, denn alle bis auf den Vater hatten die letzten Tage wohl ähnliche Probleme. Hoffentlich halten sie ihre  Bakterien innerhalb der Familie…

Um 20:00 Uhr wird dann zu Abend gegessen. Alle Gäste sitzen an einem großen Tisch und nicht wie üblich, quer durch den Raum verteilt an Einzeltischen. Das fördert natürlich die Geselligkeit und es wird ein sehr lustiger Abend. Insbesondere das junge Pärchen aus Österreich wird ein wenig verspottet, da sie in über einer Woche gerade mal 2 Zebras auf einem Farmgelände zu sehen bekommen haben. Als sie von unseren ständigen Tiersichtungen hören, sind sie völlig fassungslos.

Das Essen ist deftig und sehr schmackhaft. Es gibt Kudu Cordon Bleu, das allerdings eher an Rouladen erinnert. Sehr lecker! Zum Abschluß gibt’s noch einen Scotch-Whisky, nichts tolles aber trinkbar, und dann ist auch dieser Tag vollbracht.

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