Fahrt an die Küste und Sand im Getriebe

2010
08.30

Nach all den wüsten Gegenden der letzten Tage erwartet uns heute mal wieder urbane Umgebung. Es geht nach Swakopmund, mit Zwischenstop in Walvisbay, was jedoch nur 30km von Swakopmund entfernt ist. Diese Etappe beträgt insgesamt etwa 320 km. Das ist mal wieder eine ganz schöne Strecke und die Straßen überraschen uns jeden Tag neu, da sie tatsächlich immer noch eine Spur schlechter sein können, als bis dahin gedacht. Jede Ackerfurche in Deutschland würde sich schämen, in diesem Zustand zu sein.

Natrürlich zieht sich die Fahrt wieder recht lange hin, allerdings kommen wir heute durch eine unfassbar urige Gebirgslandschaft. Das Gebirge ist in riesige Falten geworfen. Fast kann man meinen, das die Erde eben erst in der Bewegung erstarrt ist. Selbst wenn die Straßenverhältnisse es hergeben würden, hier kann man nicht schnell durchjagen.

Wir bleiben öfters stehen um zu fotografieren oder einfach nur zu schauen. Namibia gibt wirklich jeden Tag mit irgendetwas anderem an. Ich weiß, ich klinge wie ein Reiseprospekt aber was soll ich machen? Es ist einfach nur grandios.

Es sind nicht nur die verschiedenen Landschaften, die so beeindruckend sind, sondern auch der urplötzliche Wechsel der selben. Eben noch fährt man auf einer Serpentinen-Strecke durchs Gebirge. nach der nächsten Kurve führt die Straße wieder schnurgerade durch eine völlig andere Umgebung.

Hier sieht es aus wie auf einem öden Planeten. Völlig flaches Land, bestehend nur aus Geröll und Sand, soweit das Auge reicht. Hier wächst nicht ein Pflänzlein. Allerdings liegen beängstigend viele kaputte Reifen am Straßenrand…

Überhaupt ist diese Strecke zwischen Sossusvlei und Swakopmund für namibische Verhältnisse sehr stark befahren. Hier begegnet man fast alle 20 Minuten einem anderen Auto, manchmal auch 2-3 hintereinander. Normalerweise sieht man vielleicht alle 1 bis 1 1/2 Stunden ein anderes Fahrzeug.

Nach einer endlos scheindenden Fahrt  kommen wir gegen 14 Uhr in Walvisbay an. Wir möchen dort zum Pelikan Point, einer Landzunge im Meer, auf der sich Robben, Flamingos und Pelikane tummeln sollen. Wir folgen erst einmal instinktiv dem Weg zum Hafen und finden auf dem Weg dorthin eine Touristen-Information. Wir fragen nach dem Weg und bekommen auch die Wegbeschreibung mit der Information, daß das nur mit einem 4×4 Fahrzeug möglich sei. Ok, haben wir ja, so what?

Wir fahren los und kommen erst einmal an einer Küstenstraße mit ziemlich dekadenten Strandhäusern vorbei. Ja, kann man lassen. Außerdem stehen in den Ebbe-Gebieten gerade jede Menge Flamingos herum. Da sind Fotos natürlich Pflicht. Es geht aber weiter auf die besagte Landzunge. Wir fahren gut 12km auf einer schmalen, aber gut recht gut asphaltierten Straße entlang. Wir fragen uns schon, wo denn jetzt die Allrad-Erfordernis liegt, als die Straße plötzlich endet und in Strand übergeht. Hier ist erstmal eine Parkplatzfläche mit festem Sanduntergrund. Am Ende dieser Fläche fängt dann der richtige Strand an. Wir zögern kurz und fahren dann beherzt auf den Strand auf. Das klappt ganz gut, ungefähr 5 Meter weit… dann steckt der Wagen fest. Ok, kein Thema, wir haben ja Allrad und Differentalsperre. Also rein damit und weiterfahren. Denkste, der Wagen bewegt sich keinen Millimeter. Gut, dann nicht, fahren wir eben zurück. Rückwärtsgang einlegen, Gas geben… nichts rührt sich. Erste Nervosität mach sich breit. Wir stehen mal wieder mutterseelenallein in der Pampa und der Wagen steckt im Sand fest. Perfekt. Wir versuchten es noch ein paarmal aber ohne Erfolg. Wir müssen eigentlich nur 5 Meter zurücksetzen, dann wäre alles klar, es geht aber nicht. Auch der Differential-Sperren-Trick bringt nicht das gewünschte Ergebnis. Mittlerweile ist ca. 400 Meter entfernt ein weiteres Auto an den Strand gekommen. Dieser ist ein richtiger Geländewagen, der sich allerdings direkt ans Meer in den feuchten Sand gestellt hat. Ich winke ihm mehrmals in der Hoffnung zu, dass er unsere Notlage erkennt. Und endlich scheint er begriffen zu haben und schmeißt den Motor an. Allerdings scheint auch er Probleme zu haben, denn er rotiert im Sand und kommt nicht von der Stelle. Ich gehe zu dem Wagen hin und erkenne beim Näherkommen, daß der Fahrer des Wagens in der Tat sehr kämpft, um aus dem Sand freizukomen. Als ich bei ihm ankomme, dreht er die Scheibe runter und fragt, was ich denn wolle. Ich erkläre ihm, dass wir im Sand feststecken und ich mir eigentlich Hilfe von ihm erhofft hatte, er aber wohl offensichtlich seine eigenen Probleme hat. Er meint, dass wäre kein Problem, es würde ein Weilchen dauern bis er loskommt und dann würde er uns helfen kommen. In der Zwischenzeit solle ich schon mal Luft aus den Reifen herauslassen, mit den fest aufgepumpten Reifen hätte ich keine Chance. Ok, ist eigentlich logisch. Aber wer denkt als Off-Roader völlig Unerfahrener schon daran?? Nun, wir folgen dem Rat und lassen Luft ab, wobei wir keine Ahnung haben, wie viel eigentlich raus muss. Wir machen das nach Gefühl… jedoch bringt auch das nicht den entsprechenden Erfolg.. Plötzlich hält ein weiteres Fahrzeug hinter uns, offenbar zwei Arbeiter des nahegelegenen Salzwerkes (Meersalzgewinnung). Ich schildere unsere Situation, die zwei grinsen wissend. Offenbar sind wir nicht die ersten Touris, die sie retten müssen. Die beiden schieben kurzerhand unseren Wagen an, während ich mit Rückwärtsgang losfahre. Und siehe da, nach ein paar Sekunden lösen sich die Reifen aus dem Sand und wir stehen wieder auf sicherem Terrain. Wir bedanken uns überschwenglich und möchten jetzt unsererseits dem anderen Fahrzeug am Meer helfen. Der hat sich aber mittlerweile selbst befreit und fährt fröhlich den Strand weiter entlang. Fazit: Allrad-Antrieb allein reicht nicht. Man muß auch damit umgehen können. Außerdem wäre eine andere Bereifung statt normaler Straßenbereifung sicherlich auch hilfreich gewesen.

Nach diesem Schreck am Nachmittag fahren wir weiter zu unserem eigentlichen Ziel. In Swakopmund kommen wir am sehr netten „Brigadoon Guesthouse“ an und werden freundlich und auf Deutsch von Silke empfangen. Silke führt uns zu unserem Zimmer und bucht auch direkt noch eine Bootstour mit Delfin-Watching am nächsten Tag für uns. Danach folgen wir hrer Empfehlung und kehren in „Erichs Restaurant“ ein. Hier soll es Fischspezialitäten geben. Nun ja. Es gibt Fisch, von Speziaitäten sind wir aber weit entfernt. Das Essen ist ok, hat aber eindeutig Nordsee-Restaurant-Niveau.

Nach dem Essen treffen wir uns noch mit Marie und Kristian, die ebenfalls zur Zeit in Swakopmund sind, auf ein Bierchen und tauschen die Erfahrungen der ersten Woche aus. In einem Punkt sind wir uns 1000-prozentig einig: Die Gravel-Roads mit einem normalen PKW zu befahren geht einfach nicht. Es ist unverantwortlich von den Reiseveranstaltern, das zu behaupten und zu buchen. Ohne Allrad und hohen Radstand ist das Risiko auf den Gravel Roads viel zu hoch. Marie und Kristian sind übrigens mit einem Mazda 3 unterwegs und können daher ein Liedchen davon singen…

Wir verabreden uns noch für den nächsten Abend zum Essen und laufen dann zurück zu unserem Guesthouse, wo wir eine sehr angenehme und ruhige Nacht verbringen.

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