Heute verlassen wir Aus und haben ordentliche 380 km vor uns. Leider ist es hier im Westen Namibias mit geteerten Straßen fast vollkommen vorbei, so dass wir die gesamte Strecke auf Gravel Roads zurücklegen müssen. Die sind in der gewohnt schlechten Verfassung, allerdings haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt und fahren nicht mehr so ängstlich über diese Zumutungen. Außerdem lerne ich die Vorzüge einer Differentialsperre kennen. Es fährt sich damit doch etwas geschmeidiger durch die schlimmsten Stellen.
Wir haben heute noch ein Besichtigungsziel: Die Burg Duwisib. Ein gewisser Hansheinrich von Wolf hat sich 1909 die Nachbildung einer Ritterburg in die Wüste bauen lassen. Sicher doch, warum nicht? Man muß allerdings dazu sagen, daß dies von der Größe her keine 1:1 Nachbildung ist, sondern die Größe eines „normalen“ Landhauses hat. Heutzutage ist die Burg in Staatsbesitz und natürlich von Leuten wie uns – Touris eben – zu besichtigen. Nach einem kurzen Aufenthalt dort geht’s wieder auf die Piste.
Die Fahrt ist wirklich lang und weilig. Die Landschaften sind ausnahmsweise mal nicht ganz so grandios (oder villeicht kommt es uns aufgrund der langen Strecke auch nur so vor) und wir sind am vermeintlichen Endspurt ziemlich geschafft.
Auf den nach Routenbeschreibung letzten ca. 70km wird es plötzlich etwas interessanter. Es lässt sich allerlei Getier am Wegesrand blicken, z.B Springböcke, Oryx-Antilopen und Strauße. Mit diesen Laufvögeln ist das so eine Sache. Sie machen ihrem Namen alle Ehre und begeben sich sofort auf die Flucht, sobald man neben ihnen anhält. In einer etwas tuntigen Art und Weise verabschieden sich sich ein deutliches Stück weiter weg. Zu weit für ein ordentliches Foto.
Ein Tages-Highlight bekommen wir dann doch noch. Ca. 200 Meter von der Straße entfernt steht eine Herde Zebras, die auch nicht panisch die Flucht ergreifen, als wir am Wegesrand anhalten und uns langsam zu Fuß ein wenig nähern. Aufmerksame Blicke und vereinzeltes nervöses Schnauben, aber ansonsten bleiben die Tiere ganz ruhig. Ein tolles Erlebnis!
Danach geht es weiter Richtung Lodge. Unsere Reiseleiterin hat uns am ersten Tag in Windhoek die Routenbeschreibungen und eine Straßenkarte mit den markierten Routen und Lage der Lodges übergeben. Laut Einzeichnung auf der Karte müsste die Lodge eigentlich 2km nach der nächsten Abzweigung zu finden sein. Da kommt aber nichts. Wir fahren noch einige Kilometer, aber die beschriebene Lodge „Desert Homestead“ taucht nicht auf. Wir lesen noch einmal die Textbeschreibung durch und stellen fest, daß diese mit der Einzeichnung auf der Karte nicht übereinstimmt. Ganz toll! Wir kehren um und folgen der Textbeschreibung. Der Weg verlängert sich um weitere 30 km. In der Tat kommen als bald die Schilder zur Lodge „Desert Homestead“. Mir kommt das etwas komisch vor, denn ich habe mich ja im Zuge der Rubrik „vor der Reise“ recht intensiv mit den Unterkünften beschäftigt. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Lodge eigentlich „Desert Camp Sossusvlei“ o.ä. heißen müsste. Ok, manche Lodge-Namen wichen im Original vor Ort schon mal ein wenig von den Reiseunterlagen ab, daher interveniere ich auch nicht sofort. Als wir aber auf das Gelände auffahren bin ich ziemlich sicher, dass wir hier falsch sind. Das sieht völlig anders aus, als das, was ich im Internet gesehen habe. Wir parken und schauen noch einmal in unsere Reiseunterlagen. Interessant: Auf dem Voucher für die Lodge steht in der Tat „Desert Camp Sossusvlei“, in der Routenbeschreibung „Desert Homestead“. Irgendwas ist hier schiefgegangen. Wir fragen in der Lobby nach, ob das hier die Lodge auf unserem Voucher ist. Nein, ist sie nicht. Auf mein Bitten hin verschwindet ein netter junger Mann ins Büro, um rauszufinden, wo wir tatsächlich hin müssen. In der Zwischenzeit versuche ich, unsere Reiseleiterin per Handy zu erreichen, es meldet sich aber nur die Mailbox. Toller Service. Nach einiger Zeit kommt der junge Mann zurück. Er hat unter der Telefonnummer, die auf dem Voucher angegeben ist, das Desert Camp nicht erreicht.
Einer seiner Kollegen kennt aber diese Lodge und so kommen wir dann doch noch an die richtie Wegbeschreibung. Weitere 25km werden fällig. Nach ca. einer halben Stunde und wieder mal nach Sonnenuntergang fahren wir dann endlich auf das Gelände des Desert Camp auf. Jawohlja, das ist die Unterkunft, die ich im Internet gesehen habe. Zelte mit Fundament. That’s it!
An der Rezeption die nächste Überraschung. Unsere Buchung ist nicht im System. Nur ein kurzer Schreck, denn der junge Mann sagt kurzerhand, daß er sie eben jetzt neu aufnimmt. Das läuft problemlos und wir können unser „Zelt“ beziehen. Ein bißchen blöd ist, dass das Desert Camp kein Restaurant hat. Das Camp ist ausschlielßlich auf Selbstverpflegung eingerichtet. Jedes Zelt hat einen Grill und eine Küchenzeile. Dummerweise sind wir aber nicht auf Selbstverpfleglung eingerichtet und haben keine Lebensmittel dabei. Es gibt aber eine Kooperation zwischen dem Desert Camp und einer nahegelegenen Lodge, der „Sossusvlei Lodge„. Dort gibt es ein Restaurant und der junge Mann an unserer Rezeption bucht einen Tisch für uns. Eigentlich sind wir nicht begeistert, jetzt noch einmal ins Auto steigen zu müssen. Als wir aber dort ankommen, ist aller Ärger verflogen. Die „Sossusvlei Lodge“ ist offenbar eine Luxuslodge. Die ganze Anlage ist sehr chic und wir fragen uns, warum wir eigentlich nicht hier eine ganze Woche gebucht haben 😉 Das Restaurant hat einen Außenbereich mit Blick auf ein beleuchtetes Wasserloch, an dem sich Springböcke und Schakale tummeln. Sehr idyllisch. An der Fleisch-Abteilung des Büffets findet sich mal wieder die Artenvielfalt Afrikas: Strauß, Kudu, Zebra, Springbock, Warzenschwein und andere Wildsorten sind im Angebot. Das Fleisch wird dann vor den Augen der Gäste frisch auf dem Grill zubereitet. Fazit: Zebra ist eindeutig der Favorit, gefolgt von Impala und Warzenschwein. Sehr lecker. Wir genießen diesen Luxusabend in vollen Zügen. Irgendwann fahren wir in unser „Zelt“ zurück und schlafen selig zum Geheul von ein paar Schakalen ein.